13. September 2017

Evangelische Kirche bestürzt über Verhaftung von Peter Steudtner

Bischof Dröge bittet türkischen Botschafter in Berlin sich für seine Freilassung einzusetzen

Mit Bestürzung hat die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz die Verhaftung von Peter Steudtner zur Kenntnis genommen, der am 2. Juli 2017 in der Türkei mit neun weiteren Personen seiner Freiheit beraubt wurde, als er einen Workshop mit dem Schweden Ali Gharawi für die niederländische Entwicklungsorganisation HIVOS zu IT-Management und dem gewaltfreien Umgang mit Konflikten leitete. Propst Dr. Christian Stäblein: „Peter Steudtner gehört zu unserer Kirche. Für unverbrüchliche Menschenrechte und die gleiche Würde jeder Person einzutreten, ist untrennbar mit dem christlichen Menschenbild verbunden.

Die Inhaftierung der Menschenrechtsaktivisten in der Türkei ist erschreckend, Demokratie und Menschenrechte müssen überall in Europa gelten. Wir sind entsetzt über die Verhaftung von Peter Steudtner. Unser Mitgefühl ist bei ihm und seiner Familie. Wir schließen Peter Steudtner und seine Familie in unsere Fürbittgebete ein und fordern zugleich – wie auch der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Renke Brahms, gemeinsam mit der Bundesregierung und vielen anderen - die Freilassung von Peter Steudtner und der anderen mit ihm inhaftierten Menschenrechtler.“

Bischof Dr. Markus Dröge hat aus seinem Urlaub heraus einen Brief an den türkischen Botschafter in Berlin geschrieben, in dem er seine Sorge und Unverständnis über die Verhaftung wegen des Vorwurfs der Terrorunterstützung deutlich macht: “Herr Peter Steudtner hat nicht nur einen einwandfreien Leumund, er hat sich vielmehr über viele Jahre für Gewaltfreiheit in jeder Art der Konfliktbearbeitung eingesetzt. Er ist in kirchlichen wie säkularen Kreisen für dieses Engagement bekannt und geschätzt. In seiner Arbeit gab es insbesondere immer wieder intensive Berührungspunkte mit der Friedensarbeit der evangelischen Kirchen. Für uns ist es daher gänzlich unvorstellbar, dass Herr Steudtner nun – und sei es auch noch so vage – irgendeiner Form von Terrorismus Vorschub leisten oder gar aktive Unterstützung zuteil werden lassen könnte. Dieser Gedanke ist geradezu absurd.”

Bischof Dröge bittet den türkischen Botschafter, sich für die sofortige Freilassung einzusetzen: “Wir sind überzeugt, dass sich die Vorwürfe bei genauer Prüfung als völlig haltlos erweisen. Eine Untersuchtungshaft erscheint uns daher aus menschenrechtlicher Perspektive unverhältnismäßig und unverantwortlich. Wir bitten Sie darum, sich für eine sofortiges Freilassung von Peter Steudtner und für eine schnelle, genaue und vorurteilsfreie Prüfung des Falles einzusetzen.”