United 4Rescue02.09.2020 | Neues von United4Rescue

353 Menschen haben einen sicheren Hafen!

Die erste Mission unseres Bündnisschiffes geht erfolgreich zu Ende! Insgesamt 353 Menschen hat die „Sea-Watch 4 – powered by United4Rescue“ in den vergangenen Tagen gerettet und an Bord genommen. Und auch ein Sicherer Hafen ist nach 11 Tagen bangen Wartens jetzt gefunden: Heute Morgen ist unser Bündnisschiff im Hafen von Palermo eingelaufen und hat die Geretteten den italienischen Behörden übergeben.

Die Stadt Palermo mit ihrem Bürgermeister Leoluca Orlando gehört zu den Gründungspartnern von United4Rescue und setzt sich bereits seit vielen Jahren für Solidarität und Menschlichkeit ein. Wir sind enorm dankbar für den großen Einsatz der Schiffsbesatzung – und die Unterstützung aller unserer Bündnispartner, aller Spenderinnen und Spender, die den Einsatz unseres Bündnisschiffes möglich gemacht haben. Danke Euch allen!

Was genau ist in den letzten Tagen an Bord unseres Bündnisschiffes geschehen? Welche anderen Rettungsschiffe waren involviert? Und wo sind unsere Geretteten jetzt? Nachfolgend findet ihr alle Ereignisse im Detail beschrieben.

In unserem Flickr-Account findet ihr zudem aktuelle Fotos von unserem Bündnisschiff.

 

seawatch 1Neues vom Bündnisschiff

Die ersten Einsätze: 202 Menschen gerettet!

Kaum hatte unser Bündnisschiff das Einsatzgebiet vor der libyschen Küste am Freitag, den 21. August erreicht, wurde es ernst: In drei Einsätzen rettete die Besatzung zwischen dem 22. und 24. August insgesamt 202 Menschen. Alle Rettungen liefen reibungslos ab. Trotz widriger Umstände, Wind und hohem Wellengang am Morgengrauen, brachte das Rettungsteam die Menschen sicher an Bord der Sea-Watch 4. Unverzüglich erbat Einsatzleiter Philipp Hahn bei der maltesischen und italienischen Regierung um die Zuweisung eines sicheren Hafens, um die Geretteten an Land zu bringen. Die Anfragen blieben zunächst unbeantwortet.

In den folgenden Tagen verschlechterte sich der Gesundheitszustand eines Jugendlichen: Er hatte sich schwere Verbrennungen zugezogen, was an an Bord der untüchtigen Schlauchboote häufig vorkommt. Auslaufendes Benzin mischt sich mit Salzwasser zu einer hochgradig ätzenden Lösung, die auf der Haut – vor allem an Füßen und Beinen – zu starken Verletzungen führt. Auf Bitten des Ärzteteams von „Ärzte ohne Grenzen“ wurde die Evakuierung des Jugendlichen angefordert. Am Mittwoch, den 26. August, kam daraufhin ein Schiff der italienischen Küstenwache aus Lampedusa, um den Jugendlichen zu evakuieren. Die 201 verbleibenden Menschen an Bord mussten weiter auf einen sicheren Hafen warten.

seawatch 2#Gemeinsamretten mit dem Banksy-Schiff „Louise Michel“!

Kurz nach unserem Bündnisschiff hatte sich – unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit – ein zweites, kleineres Rettungsschiff auf den Weg gemacht: Die Louise Michel, ein 30m langes, ehemaliges französisches Patrouillenboot, das die zivile Seenotrettung als besonders schnelles Schiff unterstützt. Das Schiff wurde vom britischen Street Art-Künstler Banksy finanziert und bemalt. An Bord arbeiten ehrenamtliche Aktivist*innen aus ganz Europa, die in verschiedenen Organisationen langjährige Erfahrung in Such- und Rettungseinsätzen gesammelt haben. Benannt ist das Schiff nach der französischen Schriftstellerin und Anarchistin Louise Michel (1830 –1905), die während der Pariser Kommune als Krankenpflegerin Verletzte versorgte.

Während die Sea-Watch 4 am Montag, den 24. August, mit 201 Menschen an Bord langsam Richtung Norden fuhr, verblieb die Louise Michel in der Rettungszone. Am Morgen des 27. August rettete sie 89 Menschen aus einem Schlauchboot. Das Aufklärungsflugzeug von Sea-Watch, „Moonbird“, hatte die Menschen zuvor entdeckt. Einen Tag später, am 28. August, entdeckte „Moonbird“ ein weiteres Schlauchboot mit 112 Menschen. Das Boot trieb ohne funktionierenden Motor auf dem Meer und drohte zu sinken. Nachdem klar wurde, dass kein anderes Schiff dem Schlauchboot zu Hilfe kommen würde, entschied die Besatzung der Louise Michel, auch hier zu helfen. Bis zum Eintreffen der Retter starb ein Mensch auf dem Schlauchboot. Mit mittlerweile mehr als 200 Menschen an Deck und in ausgesetzten Rettungsinseln, war das Rettungsschiff nicht mehr länger manövrierfähig. Die nur 10-köpfige Crew musste Hilfe selbst anfordern.

Weil Europa nicht reagiert, kommt unser Bündnisschiff der „Louise Michel“ zu Hilfe!

Da die europäischen Behörden über Stunden nicht auf die Hilferufe reagierten, änderte die Sea-Watch 4 am Samstag, den 29. August, ihren Kurs und machte sich auf den Weg zur Louise Michel. Als sie dort eintraf, war auch die italienische und maltesische Küstenwache vor Ort. Das Schiff der italienischen Küstenwache evakuierte 49 Frauen und Familien mit Kindern und brachte sie nach Lampedusa. Die maltesischen Behörden wiesen hingegen den Kapitän der Sea-Watch 4 an, die übrigen 152 Geretteten von der Louise Michel an Bord zu nehmen. Selbst wollten sie keine Verantwortung übernehmen.

Palermo – Sicherer Hafen und Leuchtturm der Menschlichkeit

Mit 353 Geretteten an Bord fuhr die Sea-Watch 4 erneut Richtung Norden. Die meisten Besatzungsmitglieder, vor allem das Gästebetreuungsteam, waren mittlerweile erschöpft und völlig übermüdet. Einige Lebensmittelvorräte gingen zur Neige. Durch die Corona-Sicherheitsmaßnahmen wurde auch deutlich mehr Frischwasser verbraucht als eingeplant. Die Erleichterung war daher groß, als gestern nach langen Verhandlungen die gute Nachricht kam: Palermo wurde unserem Bündnisschiff als Sicherer Hafen zugewiesen.
Alle Geretteten haben jetzt dort einen sicheren Hafen, sind den italienischen Behörden übergeben worden und befinden sich in Corona-Quarantäne.

Wir sind froh und dankbar, dass damit der erste Einsatz unseres Bündnisschiffes erfolgreich Ende geht. Und dass ausgerechnet Palermo als Sicherer Hafen angeordnet wurde: Denn die Stadt gehört zu den Bündnispartnern von United4Rescue! Palermos Bürgermeister Leoluca Orlando nahm im Dezember 2019 auch an unserer Gründungsveranstaltung in Hamburg teil und erklärte damals:

"Wir stehen zusammen, Hamburg und Palermo, Nordsee und Mittelmeer. Und zusammen sagen wir: Wir müssen das Leben respektieren. Wir müssen Menschenrechte von Migranten respektieren. Und wir müssen eine klare Botschaft an die Europäische Union schicken:
Das Leben ist heilig!"

seawatch 3


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